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Ökobilanz
Eine Ökobilanz wird auch Lebenszyklusanalyse (engl. Life Cycle Assistent) genannt. Durch sie kann man den ökologischen Fußabdruck von Produkten, Unternehmen oder Städten ermitteln. Dabei werden die Umweltauswirkungen des Untersuchungsgegenstandes entlang seines gesamten Lebensweges – von der Herstellung bis zur Entsorgung – gemessen und bewertet.
Ökobilanzen sind die Grundlage für zielführende Verbesserungsmaßnahmen. Sie machen Reduktionspotenziale sichtbar und helfen dabei, die wahre Wirksamkeit von Verbesserungen zu beurteilen.
Ökologische Aufwertung
Die ökologische Aufwertung meint die Wiederherstellung des natürlichen Zustands eines beschädigten Ökosystems durch naturschutzfachliche Renaturierungsmaßnahmen. Dabei steht die ganzheitliche und standortspezifische Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Natur im Fokus. Das ist das wirksamste Mitteln, um die Natur als Lebensgrundlage für Mensch und Tier wieder herzustellen und zu erhalten. Auf den individuellen Eigenschaften eines Ökosystems aufbauend, ist es immer das Ziel Biodiversität zu fördern.
Eindimensionale Projekte, die sich auf die Lösung eines einzelnen Umweltproblems konzentrieren, wie beispielsweise den Klimawandel, sind im Vergleich dazu weniger wirksam. Es besteht sogar die Gefahr, dass negative Wechselwirkungen (unbemerkt) entstehen.
Die Wiederbewaldung mit dem Fokus auf schnelle CO2-Speicherung ist ein Beispiel für so eine Wechselwirkung: Werden nicht heimische Baumarten gepflanzt bringt dies das standorttypische Ökosystem durcheinander. Ein Verlust an Biodiversität ist die Folge, da heimische Tier und Pflanzenarten verdrängt werden. Werden diese Baumarten dann auch noch in Monokultur gepflanzt, kann das schwere Folgen für die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems haben. Das Fichtensterben durch die klimabedingte Trockenheit und den Borkenkäfer zeigt in einigen Regionen in Deutschland eindrücklich, wie schnell ein Ökosystem kippt, wenn es auf Monokultur ausgelegt ist.
Im Zuge der ökologischen Aufwertung, hätte man auf einen heimischen Baumarten-Mix gesetzt. Denn: Sterben in einem Mischwald die Fichten aus, können die verbleibenden Baumwarten diesen Verlust kompensieren. Biodiversität bedeutet: Widerstandsfähigkeit gegen Umweltveränderungen. Das gilt es zu fördern.
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True Costs / wahre Kosten
Das Konzept sieht vor, neben direkten Kosten eines Produktes (etwa Produktionskosten) auch ökologische und soziale Folgekosten einzupreisen, die aktuell zulasten der Gesellschaft, anderer Regionen, aber auch späterer Generationen gehen. So erhält ein Produkt einen realen – fairen – Preis.
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Umweltkosten
Alles, was hergestellt und genutzt wird, hat Auswirkungen auf die Umwelt. Das beeinflusst die Leistungsfähigkeit der Natur, unsere Gesundheit und insgesamt unsere Lebensqualität. Und es kostet Geld. Besser gesagt: Die Wiederherstellung von geschädigten Ökosystemen (wie Gewässern), die Anpassung an Umweltveränderungen oder auch medizinische Behandlungen, und vieles mehr, das durch die Umweltauswirkungen notwendig wird, kostet Geld.
Das Problem: Diese Kosten, die durch negative Auswirkungen entstehen, übernehmen bisher nicht die Verursacher, wie beispielsweise Unternehmen. Diese Kosten zahlt die Allgemeinheit, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Mit Umweltkosten geben wir acht Umweltauswirkungen einen monetären Wert in Euro. Unternehmen können Verantwortung für diese Umweltauswirkungen übernehmen, indem sie ihre Umweltkosten in ihre Bilanzierung integrieren und mittels nachhaltiger Innovation reduzieren. Verbleibende Umweltkosten können die Unternehmen nach GUH-Standard durch Investitionen in die Natur ausgleichen. Mehr dazu unter dem Stichwort „Umweltwert“.
Die acht Umweltkosten, die nach GUH-Standard monetarisiert werden, sind: Klimawandeln, Versauerung, Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung (Nährstoffübersättigung), Sommersmog, Abbau der Ozonschicht, Land- und Wassernutzung.
Umweltwert
Der Umweltwert umfasst alle Aufwände, die getätigt werden, um ökologisch beschädigte oder geschwächte Gebiete naturschutzfachlich aufzuwerten. Er wird in Euro beziffert. Durch die Investition in den Umweltwert können Unternehmen Umweltkosten, die nicht weiter gesenkt werden können, ausgleichen.
Umweltauswirkung / Umweltwirkungskategorie
Umweltauswirkungen sind die Folgen menschlichen Einwirkens auf die Umwelt. Von der Herstellung bis zur Entsorgung von Produkten werden zum Beispiel natürliche Ressourcen wie Wasser oder Land gebraucht und verschiedene Emissionen wie Kohlenstoffdioxid, Stickstoff oder Methan freigesetzt. Diese Prozesse bezeichnet man als Umweltauswirkungen.
Um darzustellen, wie sich die Umwelt durch die Auswirkungen verändert, werden die Umweltauswirkungen in Umweltwirkungskategorien zusammengefasst. Die bekannteste ist der Klimawandel.
In der Ökobilanzierung zielt man darauf ab, möglichst viele Umweltwirkungskategorien zu berücksichtigen, um ein vollständiges Bild als Basis für die Reduktion zu erhalten. Im GUH-Standard werden noch sieben weitere Umweltwirkungskategorien betrachtet: Versauerung, Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung (Nährstoffübersättigung), Sommersmog, Abbau der Ozonschicht, Land- und Wassernutzung.
Umweltwirkungskategorie: Abbau der Ozonschicht
Diese Kategorie bewertet, wie sehr eine Substanz oder Aktivität die Ozonschicht schädigen kann. Die Ozonschicht ist eine schützende Schicht aus Ozon (O₃), die die Erde vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne schützt. Wenn diese Schicht durch bestimmte Chemikalien, wie zum Beispiel Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) oder andere ozonabbauende Substanzen, geschädigt wird, kann das zu einer erhöhten UV-Strahlung auf der Erdoberfläche führen. Das kann wiederum negative Folgen für Menschen, Tiere, Pflanzen und das gesamte Ökosystem haben, wie z. B. Hautkrebs, Augenschäden oder Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums.
Umweltwirkungskategorie: Klimawandel
In der Umweltwirkungskategorie Klimawandel wird bewertet, wie stark ein Produkt, eine Aktivität oder ein Prozess zum Ausstoß von Treibhausgasen beiträgt und somit den Klimawandel beeinflusst. Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄) und Lachgas (N₂O), sammeln sich in der Atmosphäre und verstärken die Erderwärmung. Folgen sind beispielsweise der Anstieg des Meeresspiegels, häufigere und intensivere Wetterextreme wie Stürme, Dürren und Überschwemmungen sowie Veränderungen in Ökosystemen und landwirtschaftlichen Erträgen.
Umweltwirkungskategorie: Landnutzung
Diese Kategorie bezieht sich darauf, wie die Nutzung von Landflächen die Umwelt beeinflusst. Das umfasst beispielsweise die Umwandlung von natürlichen Flächen in landwirtschaftliche Flächen, Siedlungen oder Industriegebiete. Solche Veränderungen können Auswirkungen auf die Biodiversität, den Wasserhaushalt und das Klima haben. Die Bewertung der Landnutzung hilft dabei, die Umweltauswirkungen von Projekten oder Aktivitäten besser zu verstehen und nachhaltige Entscheidungen zu treffen.
Umweltwirkungskategorie: Sommersmog
Sommersmog beschreibt die Bildung von bodennahem Ozon durch Sonnenlicht und Schadstoffe. Er entsteht vor allem in warmen Monaten. Bodennahes Ozon verschlechtert erheblich die Luftqualität, was sich schädlich auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auswirkt.
Sommersmog entsteht, wenn bestimmte Schadstoffe wie Stickstoffoxide (NOₓ) und flüchtige organische Verbindungen (VOCs) unter Sonneneinstrahlung zu Ozon in Bodennähe reagieren. Dieses Ozon ist ein Hauptbestandteil des Sommersmogs. Folgen von Sommersmog sind unter anderem gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Atemnot, Husten, Reizungen der Schleimhäute und Verschlechterung von Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen. Ozon kann aber auch Pflanzen schädigen, deren Wachstum beeinträchtigen und die Biodiversität in Ökosystemen verringern.
Umweltwirkungskategorien: Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung
Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung beschreibt die schädliche Überdüngung von Seen und Flüssen beziehungsweise der Meere und Küstengewässer. Durch landwirtschaftliche Abwässer, Klärschlämme, Abwässer aus Haushalten oder industrielle Prozesse gelangen zu viele Nährstoffe in die Gewässer. Die Nährstoffübersättigung fördert das Algenwachstum, was Sauerstoffmangel im Gewässer verursacht und dazu führen kann, dass Fische und andere Wasserlebewesen ersticken. Durch die übermäßige Algenblüte konzentrieren sich zudem Giftstoffe, die das Ökosystem zerstören.
Umweltwirkungskategorie: Versauerung
Versauerung beschreibt die schädliche Absenkung des pH-Werts in Böden und Gewässern durch saure Schadstoffe, was die Gesundheit von Ökosystemen beeinträchtigt. Bei Verbrennungsprozessen in Kraftwerken, Fahrzeugen und Industrieanlagen entstehen Schadstoffe wie Schwefeldioxid (SO₂) und Stickstoffoxide (NOₓ). Gelangen diese in die Atmosphäre, reagieren sie mit Wasser, Sauerstoff und anderen Chemikalien und bilden Schwefelsäure und Salpetersäure. Diese sauren Substanzen fallen dann mit Regen, Nebel oder Staub auf Böden und Gewässer.
Die Folgen der Versauerung sind vielfältig:
- Für Böden: Der saure Regen kann die Nährstoffverfügbarkeit verringern und schädliche Metalle wie Aluminium freisetzen, die für Pflanzen und Bodenorganismen giftig sind.
- Für Gewässer: Eine zu saure Umgebung kann zu Fischsterben und dem Rückgang von Wasserlebewesen führen.
- Für Pflanzen: Saure Böden können die Wurzeln schädigen und die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen erschweren.
Umweltwirkungskategorie: Wassernutzung
In der Kategorie „Wassernutzung“ wird bewertet, wie viel Wasser bei der Herstellung oder Nutzung eines Produkts oder Prozesses verbraucht wird und welche Umweltfolgen daraus entstehen können.
Wenn Wasser genutzt wird, kann das zum Beispiel bedeuten, dass Wasser aus Flüssen, Seen oder Grundwasser entnommen wird. Das kann Auswirkungen auf die Ökosysteme haben, wie den Lebensraum von Fischen und Pflanzen. Auch die Qualität des Wassers kann beeinflusst werden, wenn zum Beispiel Abwässer nicht richtig behandelt werden.